Marokko

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Marokko Flagge + Hymne          M A R O K K O          S.M. Mohammed VI König von Marokko
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Geschichte Marokkos

Vorgeschichte
Erste Spuren menschlicher Existenz auf dem Territorium des heutigen Marokko entdeckten Anthropologen in Souk el-Arba du Rharb und in Steinbrüchen bei Casablanca, vor allem in dem berühmten Steinbruch Sidi Abd er-Rahmane. Diese Spuren, zumeist grob bearbeitete Geröllsteine, gehören dem Altpaläolithikum, der frühen Altsteinzeit (etwa 500'000 – 60‘000 v.Chr.), an, genau: dem 2. - 4. Stadium der Pepple-Kultur. Aus dem Acheuléen, einer späteren altpaläolithischen Entwicklungsstufe, stammen die ältesten menschlichen Skelette auf marokkanischem Boden: Überreste des "Menschen von Sidi Abd er-Rahmane" (mittleres Acheuléen), des "Menschen von Rabat" (spätes Acheuléen) und des "Menschen von Temara", der bereits dem Übergang zum nachfolgenden Moustérien zugeordnet wird. - Das Mittelpaläolithikum, die mittlere Altsteinzeit (etwa 60‘000 – 35‘000 v.Chr.), wird durch den "Menschen von Taforalt" repräsentiert. - Die wichtigste Zivilisationsstufe des Jungpaläolithikums, der späten Altsteinzeit (etwa 35'000 – 8‘000 v. Chr.), ist das "Mouillien", dessen Name auf den Fundort Mouillah bei Marnia an der Grenze zu Algerien hinweist. Sichtbare Zeugnisse des Neolithikums, der Jungsteinzeit (etwa 8000-2700 v. Chr.), sind die Grabanlagen (Dolmen und Kromlechs) bei Tanger und Tétouan, hier besonders der mächtige Steinkreis von Msoura, der die Verbindung zu den europäischen Megalith-Kulturen offenbart. Die Felszeichnungen im Hohen Atlas (Oukaïmeden und Djebel Yagour) und südlich des Anti-Atlas bei Foum el-Hassane, Tata, Akka u.a. zeigen Menschen, zweirädrige "lybische" Wagen und eine Tierwelt, die noch in römischer Zeit in Marokko beheimatet war: Elefanten, Flusspferde, Nashörner, Giraffen, Gnus, Zebras. Zahlreiche Funde aus dem endenden Neolithikum weisen auf eine intensive Verbindung zur lberischen Halbinsel hin, von der in jener Zeit die Glockenbecherkultur ausging.

Phöniker und Karthager (1100-146 v. Chr.)
In die Geschichte trat der äusserste Nordwesten Afrikas erst durch die Phöniker (Phönizier) ein. Dieses geschäftstüchtige Seefahrervolk gründete im späten 2. Jahrtausend v. Chr. von Tyros im heutigen Libanon aus zahlreiche Kolonien im gesamten Mittelmeerraum. Gegen 1100 v. Chr. wagten es die Phöniker, durch die Meerenge von Gibraltar in den Atlantik vorzudringen; sie gründeten an der iberischen Südwestküste Gadir (Cádiz) und an der marokkanischen Külste Liks (Lixus) als befestigte Handelsplätze. Das Landesinnere des heutigen Marokko beherrschten in jener Zeit die Masmouda, ein eigenartiges Mischvolk mit weitgehend einheitlicher Sprache. Mit diesem Volk trieben die Phöniker Tauschhandel.
Mit dem Niedergang von Tyros seit dem 6.jh. v. Chr. übernahm dessen Tochterstadt Karthago den Schutz aller phönikischen Kolonien im westlichen Mittelmeerraum. Gegen 460 v. Chr. umsegelte der Karthager Hanno die afrikanische Westküste bis zum Golf von Guinea und gründete auf seiner Reise neue Handelsplätze, darunter Rusibis (EI-Jadida). Kostbarstes Handelsgut war der Purpur.
Die Masmouda lebten als Nomaden oder Halbnomaden in Sippen; die Sippe führte der gewählte Alteste. Nur in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen schlossen sich die Sippen zu Stämmen oder gar Stammesverbänden zusammen. Der erste erwähnte König der Masmouda war Baga; im Jahre 204 v. Chr. stellte er dem numidischen Feldherrn Massinissa 4000 Reiter zur Verfügung, mit denen die mit Rom verbündeten Numidier im Zweiten Punischen Krieg erfolgreich gegen Karthago kämpften.

Römer und Byzantiner (1146 v. Chr.-682 n. Chr.)
Nach dem Dritten Punischen Krieg (149-46 v. Chr.) übernahm Rom die Territorien und Stützpunkte Karthagos. Doch Rom begnügte sich nicht mit Handelsbeziehungen, sondern forderte Unterwerfung und Tribut. Die Römer nannten die Masmouda Berber (= Barbaren) oder Mauri (von griech. Amauros = dunkel). Dem "Land der Dunkelhäutigen", das sich vorn Atlantik bis zum Ampsaga (Oued el-Kebir) im heutigen Algerien erstreckte, gaben sie den Namen Mauretania (Mauretanien). Der erste bedeutende maurische König der römischen Zeit war Bocchus I. (um 115 - um 80 v. Chr.). Er pflegte seine Feinde von Elefanten zertrampeln zu lassen und suchte ein Bündnis mit Rom, aber einige Senatoren verhinderten die Verständigung. Im Jugurthinischen Krieg (111 - 105 v.Chr.) zwischen Numidien und Rom stellte er sich zunächst auf die Seite seines Schwiegersohnes Jugurtha, des Königs von Numidien. Nach einigen schweren Niederlagen Jugurthas bat er den römischen Feldherrn Marius um Verhandlungen. Der Senat von Rom verzieh Bocchus, verlangte aber einen Freundschaftsbeweis. Daraufhin lieferte König Bocchus seinen Schwiegersohn, der zu ihm geflüchtet war, an die Römer aus, die ihn 104 v. Chr. im Triumphzug durch Rom führten und wenige Tage später hinrichteten.
Auf Bocchus 1. folgte sein Sohn Bogud I. (um 80-um 50 v. Chr.) auf dem Thron der Könige von Mauretanien. 81 v. Chr. hatte er den Römer Pompeius gegen die Numidier unterstützt. Nach Boguds Tod traten seine beiden Söhne Bogud II. (um 50 - 38 v. Chr.) und Bocchus II. (um 50 - 33 v.Chr.) die Nachfolge an. Bogud herrschte über den westlichen und Bocchus iiber den östlichen Teil des Reiches. 49 v. Chr. erkannte Caesar die beiden Könige an. Nach Caesars Ermordung im Jahre 44 v. Chr. schlug sich Bogud auf die Seite des Antonius und wurde im Jahre 38 v. Chr. von seinem Bruder, der Octavian, den späteren Kaiser Augustus, unterstützte, vom Thron gejagt. Da Bocchus keine Erben hatte, setzte Kaiser Augustus 25 v. Chr. Juba II. (25 v. Chr. - 23 n. Chr.), König von Numidien und Inhaber des römischen Bürgerrechts, als Herrscher über das gesamte Mauretanien ein. Seiner Frau Kleopatra Selene, Tochter der berühmten Kleopatra und des Antonius, ist es wohl zu danken, dass Juba für die Verbreitung der griechischen Kultur in Nordwestafrika sorgte. Er residierte teils in Jol, das er in Caesarea Mauretania umbenannte (heute Cherchell in Algerien), teils in Volubilis (Marokko).
Jubas Sohn Ptolemaios (23 - 40 n. Chr.) schlug im Jahre 24 einen grosen Berberaufstand nieder. Sein unermesslicher Reichturn ärgerte den römischen Kaiser Caligula, der Ptolemaios im Jahre 40 nach Rom einlud, ihn ermorden liess und seine Besitztümer einzog. Daraufhin wiegelte Aedemon, ein freigelassener Sklave des Ptolemaios, ganz Mauretanien gegen die Römer auf. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wandelte Kaiser Claudius im Jahre 42 das Königreich Mauretanien in zwei römische Provinzen um: Mauretania Caesariensis mit der Hauptstadt Caesarea (Cherchel) und Mauretania Tingitana mit der Hauptstadt Tingis (Tanger). Jede Provinz wurde einem Procurator Augusti unterstellt; der Fluss Mulucha (heute Moulouya) bildete die Grenze.
Unter römischer Herrschaft erreichten zahlreiche mauretanische Berberscheichs hohe Stellungen, zwei von ihnen - Macrinus und Aemilianius - trugen sogar, wenn auch nur für Monate, den kaiserlichen Purpur. In blutigen Erhebungen stürmten die Berberstämme immer wieder gegen die römischen Stützpunkte und gegen den Limes, der sich seit etwa 144 n. Chr. südlich von Sala (Salé/Rabat), Volubilis und dem heutigen Fes nach Osten zog. Südlich dieses römischen Grenzwalles bewahrten die Berber ihre Unabhängigkeit. Strassen verbanden Tingis mit den Küstenstddten am Atlantik und mit Volubilis, das zeitweise Hauptstadt der Provinz Mauretania Tingitana war.
Seit Ende des 3.Jahrhunderts schwächte sich die römische Herrschaft ab. Im Jahre 372 eroberte der Berberfürst Firmus, unter Kaiser Valentinian 1. zum Oberbefehlshaber über die mauretanischen Truppen aufgestiegen, mit Hilfe der Atlasstämme und der Donatisten, Anhängern einer christlichen Sekte, ganz Mauretanien und Iiess sich zum Augustus ausrufen. Aber schon zwei Jahre später schlugen die Römer diese Erhebung blutig nieder; Firmus nahm sich das Leben. - Zu Beginn des 5.Jahrhunderts beherrschte Rom nur noch das Gebiet von Tingis (Tanger) und Septem (Ceuta).
Im Jahre 429 setzten 80‘000 Wandalen unter ihrem König Geiserich (428 - 477) von Spanien nach Afrika über. Der römische Feldherr Bonifatius soll die Germanen herbeigerufen haben, weil er sich gegen die Berber nicht mehr zu behaupten wusste. Aber die Berberstämme des Nordens schlossen sich den Wandalen an, und die Donatisten begrüssten sie als Befreier. Geiserich hielt Tingis und Septem besetzt und zog mit der Hauptmasse seines Heeres und zahlreichen Berbern nach Osten weiter, um von Karthago aus sein afrikanisches Reich, das bald auch Sardinien, Korsika, die Balearen und das westliche Sizilien umfasste, zu regieren. Seit Geiserichs Tod im Jahre 477 verfiel das Wandalenreich, die Berber übernahmen die westlichen Gebiete des Reiches. 533 zertrümmerte Belisar, Feldherr des byzantinischen Kaisers Justinian I., das Wandalenreich und führte Gelimer, den letzten König der Wandalen, im Triumphzug durch Konstantinopel; Justinian wies Gelimer reichen Grundbesitz in Galatien (Westtürkei) zu. Kaiser Maurikios (582-602) fasste die Territorien von Tingis und Septem mit einigen südspanischen Küstenstädten und den Balearen zur byzantinischen Provinz Mauretania Secunda zusammen. Das Landesinnere des westlichen Mauretaniens beherrschten nach wie vor die Berber.

Arabische Eroberung (682-789)
Schon 50 Jahre nach Mohammeds Tod (632) erreichte der Araberfürst Okba ibn Nafi unter der grünen Fahne des Propheten 682 die Atlantikküste. Er zog sich aber angesichts der Überlegenheit der Berber bald wieder zurück, geriet bei Tafrouda in Algerien in einen Hinterhalt und wurde mit seiner Truppe niedergemetzelt. Im Jahre 705 drangen die Araber mit einem riesigen Heer zum 2. Mal bis zum Atlantik vor. Ihr Anführer Musa ibm Nusair islamisierte die Berberstämme und setzte bereits sechs Jahre später mit einer gewaltigen Armee aus Arabern, vor allem aber aus Berbern, nach Spanien über, wo er 711 in der Schlacht am Guadalete das Reich der Westgoten zerschlug. Teile des Adels liefen mit ihren Truppen zu den Arabern über, Roderich, der letzte König der Westgoten, fiel in der Schlacht. Die Muslime besetzten die Pyrenäenhalbinsel bis auf ein schmales Gebiet an der Nordküste. Die arabische Dynastie der Omajaden, deren Kalifen in Damaskus residierten, beherrschte nun ein Riesenreich, das von Persien bis Spanien reichte. 732 fielen die Araber in Frankreich ein. Ihren Siegeslauf stoppte Karl Martell, der Hausmeier des Fränkischen Reiches, am 17. Oktober in der Schlacht bei Poitiers. Während die Araber den grössten Teil der Pyrenäenhalbinsel fest in ihrer Hand behielten, entzogen sich die Berberstämme Nordwestafrikas durch heftige Aufstände der Macht der Kalifen.
Um das Jahr 750 stürzten die Abbasiden die Dynastie der Omajaden und rotteten die Familie des letzten Kalifen Marwan II. nahezu aus. Nur Abd er-Rahman entkam und begründete 756 das arabische Emirat (Seit 929 Kalifat) von Córdoba. 778 vertrieb er sogar ein Heer Karls des Grossen aus Spanien (Rolandslied). Losgelöst vom Machtbereich der Abbasiden herrschten die Omajaden noch bis 1031 in Spanien.

Idrisiden (789-974)
Schon bald nach der Ermordung des Kalifen Ali ilm Abi Talib, der mit Mohammeds Tochter Fatima verheiratet war, entstand die religiöse Bewegung "Schiat Ali"(= Partei Alis). Ihre Anhänger, die Schiiten, bestritten die Rechtmässigkeit der Kalifen, die nicht aus Alis Ehe mit Fatima abstammten. Sie lehnten also auch die neuen Kalifen der Abbasidendynastie ab, die ihren Stammbaum auf Abbas, einen Onkel des Propheten, zurückführten. Im Jahre 786 bereitete der abbasidische Kalif Harun ar-Raschid den Schiiten in der Schlacht von Fakh bei Mekka ein furchtbares Massaker. Einer der wenigen Schiiten, denen zu entkommen gelang, war Idris ibm Abdallah. Er flüchtete nach Marokko, wo ihm der Berberstamm der Aouraba (Auriba) Unterschlupf gewährte. Die überhöhten Tributforderungen der Abbasiden trieben die freiheitsbewussten Berber den schiitischen Ideen zu. Der Stamm wählte Idris, einen Nachkommen Alis und Fatimas, zum Oberhaupt. Moulay ldris residierte im Stammeshauptort Oualila, dem antiken Volubilis, und schloss innerhalb weniger Jahre mehrere Berberstämme zu einem kleinen, vom Kalifat aber unabhängigen Reich zusammen. 789 gründete er Fes, das sich zu einem der bedeutendsten Kulturzentren des Islams entwickeln sollte. 791 liess ihn Harun ar-Raschid durch einen seiner Abgesandten vergiften.
Unter Idris II. (803 - 828), der erst zwei Monate nach der Ermordung seines Vaters zur Welt kam und als Elfjähriger die Herrschaft übernahm, erreichte die marokkanische Dynastie der ldrisiden ihre Blütezeit. Das kleine Reich war zwar nicht das einzige in Marokko - daneben bestanden u. a. das Reich der Berghouata an der Atlantikküste und das Reich von Sijilmassa im Tafilalet -, doch es war zweifellos das bedeutendste; seine kulturellen Ausstrahlungen erfassen den ganzen Nordwesten Afrikas. Heute wird es als Keimzelle des Königreichs Marokko angesehen. Nach dem Tode Idris' II. begann das Reich unter schwachen Herrschern zu zerfallen.

Fatimiden (974-1061)
Zu Beginn des 10.Jahrhunderts entwickelte sich - von Ostalgerien ausgehend - eine Dynastie, die ihre Herkunft auf Fatima, die Tochter des Propheten Mohammed, zurückführte und den Abbasiden die Rechtmässigkeit ihres Kalifats absprach. Diese Fatimiden unterwarfen ganz Nordafrika und stellten seit dem Jahre 909 eigene Kalifen. Bis 921 dehnten sie ihre Einflusssphäre auch auf die marokkanischen Berberreiche aus. Vor Tanger stiessen sie auf den erbitterten Widerstand des Emirs von Córdoba, Abd er-Rahman 111. (912 - 961), der das maurische Reich in Spanien zu höchster Blüte führte, sich 929 selber zum Kalifen ernannte und ebenfalls Nordwestafrika beanspruchte. Da die Fatimiden ihr Hauptaugenmerk auf das Abbasidenreich im Osten legten, konnte Abd er Rahman bis 974 auch Fes in sein Kalifat einbeziehen und die Idrisidendynastie endgültig auslöschen. In den Auseinandersetzungen zwischen den Fatimiden und den Omaijaden von Córdoba vermochten mehrere Berberstämme ihre Unabhängigkeit zu bewahren und aus dem Osten eingedrungene Zenata-Stämme eigene Herrschaftsbereiche zu gründen.
Um 1051 überfluteten die arabischen Beni Hilal-Nomaden vom Osten her Marokko. Sie mieden die Gebirge, plünderten aber die Städte und Dörfer in den Ebenen. Zu einer Staatsgründung waren sie nicht imstande.

Almoraviden (1061 - 1147)
Im Jahre 1036 schlossen sich in den Sahara-Randgebieten Marokkos kriegerische Sanhadja-Berber zu einem militärisch-religiösen Orden (Ribat) zusammen, der sich Almoraviden (von al-Morabitun = Volk des Ribats) nannte. Als ihr Ordensgründer Abdallah ibn Jasin, ein Anhänger der sunnitischen Glaubensrichtung, um 1040 von einer Pilgerfahrt nach Mekka zurückkehrte, brachen die "Lemtuniine" (= die Verschleierten) auf und islamisierten den Senegal und den Sudan. Unter Abdallahs Nachfolger Jusuf Ibm Taschfin (1061 - 1107) wandten sich die "muslimischen Rittermönche" nach Norden, überquerten den Hohen Atlas und legten im Jahre 1062 in der Ebene von Haouz ein Heerlager an, aus dem die Stadt Marrakesch hervorging. Von hier aus eroberten die Almoraviden in knapp 12 Jahren ganz Marokko und schufen damit das erste islamische Grossreich im äussersten Maghreb. Jusuf erhob Marrakesch zu seiner Residenz. 1085, als Alfons VI., König von Léon, den spanischen Muslimen (Moros) Toledo entriss, setzte Jusuf ibn Taschfin nach Spanien über und besiegte im Jahre darauf bei Zallaqa das Christenheer. Das einst mächtige Kalifat von Córdoba war in zahlreiche Emirate zerfallen, die sich nur schwer gegen die "Reconquista", die christliche Wiedereroberung der Iberischen Halbinsel, behaupten konnten. Da ihm die Emire Spaniens die Hilfe nicht dankten, setzte Jusuf nochmals aber die Meerenge von Gibraltar und vereinigte das maurische Spanien mit seinem marokkanischen Reich. Eine Zeit hoher kultureller und wirtschaftlicher Blüte des afrikanisch-spanischen Almoravidenreiches folgte.
Nach dem Tode Jusufs ibn Taschfin im Jahre 1107 vermochten seine Nachfolger das über zwei Kontinente greifende Reich nicht mehr zu beherrschen. Eine glücklose Politik gegenüber den spanischen Emiren und den Berberstämmen Marokkos führte zum allmählichen Zusammenbruch des Almoravidenreiches. 1118 nahmen die Christen Spaniens ihre Reconquista wieder auf

Almohaden (1147-1269)
Nach intensiven Studien an den islamischen Hochschulen Spaniens, Ägyptens und Syriens begann Mohammed ibn Tumart aus dem uralten Berberstamm der Masmouda, im Jahre 1121/22 gegen den Sittenverfall und die Vielgötterei der Almoraviden zu predigen. Er musste fliehen und zog sich in den Hohen Atlas zurück, wo er 1125 in der Nähe des Passes Tizi n' Test den Ribat Tinmal gründete. Seine Anhänger nannten sich Almohaden (von al-Muwahidun = Bekenner der Einheit Gottes). Er selber bezeichnete sich als "Mahdi", der als Erlöser die Gerechtigkeit auf Erden wiederherstellen wird (Mahdi = der von Gott Geleitete). Doch bevor Mohammed ibn Tumart seine religiösen Reformen durchsetzen konnte, starb er 1130.
Sem Lieblingsschüler und Nachfolger Abd el-Mumin (1130 - 1163) stellte ein mächtiges Heer zusammen und eroberte bis 1147 ganz Marokko. Anschliessend gliederte er auch das maurische Spanien sowie Algerien und Tunesien seinem Almohaden-Imperium ein, das damit erstmals alle Berber vereinigte und zum mächtigsten und glanzvollsten Reich des mediterranen Westens wurde. 1162 nahm Abd el-Mumin den Kalifentitel an. Er reorganisierte die Verwaltung, führte liberale Gesetze ein, gründete Universitäten und förderte die Verbreitung der spanisch-maurischen Kultur. Hauptstadt blieb Marrakesch, das er mit prächtigen Bauten, schmückte.
Abu Jakub Jusuf (1163 - 1184) setzte das Werk seines Vaters fort. Er zog Philosophen jeglichen Glaubens, auch Christen und Juden, an seinen Hof - Unter Abu Jusuf Yakoub el-Mansour (1184 - 1199), einem Enkel Abd el-Mumins, erreichte die Baukunst in Marokko und Südspanien ihren Höhepunkt. El-Mansour (= der Siegreiche) unterdrückte Abfallbewegungen im Osten seines Reiches und schlug 1195 bei Alarcos das christlich-kastilische Heer. Zur Hauptstadt des Almohadenreiches bestimmte er Rabat, die dritte Königsstadt Marokkos nach Fes und Marrakesch.
Der Urenkel Mohammed en-Nasir (1199 - 1213) vermochte das Reich nicht mehr zusammenzuhalten. 1212 wurde er bei Las Navas de Tolosa von Alfons VIII. von Kastilien besiegt und musste sich aus Spanien zurückziehen. Die Berberdynastie der Hafsiden löste Tunesien aus dem Reichsverband, in Tlemcen (Algerien) rissen die Abdelwaditen die Herrschaft an sich. Und wenige Jahrzehnte später Übernahmen die Meriniden das marokkanische Kernland um Fes.

Meriniden (1269-1420)
Die Meriniden (Beni Meri), ein Stamm der Zenata-Berber, waren von den Almohaden aus den östlichen Sahara-Randgebieten herbeigerufen worden, um deren geschwächte Truppen zu verstärken. Doch als sich das Ende der Almohadenherrschaft abzeichnete, rückten diese Pferdenomaden unter ihrem Führer Abu Jahia im Jahre 1250 in Fes ein. In harten Kämpfen eroberten sie bis 1269 ganz Marokko und proklamierten eine eigene Dynastie. 1275 kam der Merinidensultan Abu Jusuf Jakub (1259-1286) den letzten islamischen Bastionen in Spanien zu Hilfe und erfocht in der Schlacht bei Ecija unweit Sevilla gegen die Christen einen Sieg (Córdoba war 1236, Sevilla 1248 gefallen). Aber er besass nicht mehr die Stärke, die Reconquista, das mächtige Feuer der christlichen Wiedereroberung, zu löschen. Er unterwarf die nördlichen Teile des heutigen Algerien und beherrschte Marokko bis tief in den Süden hinein. Seine Kaperschiffe bedrohten die christliche Seefahrt. Die marokkanischen Städte, voran die Hauptstadt Fes, schmückten die Mermiden mit herrlichen Bauwerken. Ihre höchste Blüte erreichte die Dynastie unter Abu el-Hassan (1331-1351), der sich nach einer verheerenden Niederlage am Rio Salado im Jahre 1340 aus Spanien zurückzog, und unter Abu Inan Faris (1351-1358). - Nachfolgestreitigkeiten und Stammesfehden bedrohten in den folgenden Jahrzehnten, in denen sich 24 Herrscher ablösten, den Bestand der Dynastie. 1415 fiel Ceuta als erste afrikanische Besitzung in die Hände der Portugiesen.

Wattasiden (1420-1554)
1420 begründeten die Wattasiden (Beni Ouattas), einst die engsten Verbündeten der Meriniden, eine neue, allerdings sehr schwache Dynastie. 1492 eroberten die Christen unter den "Katholischen Königen" Ferdinand II. von Aragón und seiner Gemahlin Isabella 1. von Kastilien und León die Stadt Granada, den letzten maurischen Besitz in Spanien, und beendeten damit die "Reconquista". Ein Strom von Muslimen (Moros) und Juden ergoss sich nach Marokko, dessen Fürstentümer den Flüchtlingen Asyl gewährten. Die Wattasiden mussten den Portugiesen gestatten, an mehreren Stellen der Atlantikküste Handelsniederlassungen einzurichten, die die Portugiesen später zu befestigten Hafenstädten ausbauten: Tanger, Azemmour, Mazagdo (EI-Jadida), Safi, Santa Cruz de Aguer (Agadir). Die Machtlosigkeit der Wattasiden gegenüber den christlichen Kolonisatoren führte schliesslich zum Sturz ihrer Dynastie.

Saditen (1554-1666)
Im 13.Jahrhundert sollen die Bewohner des Draa-Tales den Araberstamm der Saditen (Sadier) aus dem Hedschas (Hidjas), wo die beiden Städte Mekka und Medina liegen, herbeigerufen haben, damit sie als Nachkommen des Propheten - das Geschlecht ihrer Scheichs geht auf Hassan ibn Ali, den Enkel Mohammeds zurück - für gute Dattelernten sorgen. Im Jahre 1510 erklärten die Saditen-Scherife den "Heiligen Krieg" gegen die Christen. Die Berberstämme Marokkos schlossen sich den Saditen mehr oder weniger freiwillig an. 1521 besetzten die Saditen Marrakesch. Bis 1541 hatten sic die Portugiesen aus nahezu allen Küstenstädten vertrieben. 1554 fiel Fes und damit die letzte Hochburg der Wattasiden. Mohammed I. (1554-1557) gilt als der erste Herrscher der neuen Dynastic; er erklärte Marrakesch zur Hauptstadt des Saditenreiches.
Der junge König Sebastião von Portugal (IS57-I578) war von der Idee des christlichen Glaubenskrieges gegen den Islam erfüllt und wollte die portugiesische Vormachtstellung an den Küsten Marokkos erneuern. So unternahm er mit einer starken Streitmacht zwei Vorstösse. Der erste im Jahre 1574 schlug fehl, der zweite im Jahre 1578 endete mit einem Fiasko. Bei Ksar el-Kebir am Loukos-Fluss entschied sich in der "Dreikönigsschlacht" das Schicksal Portugals. Das portugiesische Heer wurde vollständig aufgerieben, Sebastião ertrank, mangels eines Erben kam Portugal unter die spanische Krone, das riesige Kolonialreich zerfiel.
Aber auch der siegreiche Sultan Abd el-Malik I. (1576 - 1578) war auf dem Schlachtfeld geblieben. Zu seinem Nachfolger wurde Ahmed I. (1578 - 1603) ausgerufen, der später den Beinamen "el Mansur" (= der Siegreiche) erhielt. Ahmed eroberte 1591 das sagenhaft reiche Timbuktu (im heutigen Mali) und brachte von dort unermessliche Goldschätze und Tausende von Negersklaven mit heim. Er stoppte den Vorstoss der osmanischen Türken in Algerien und schmückte seine Hauptstadt Marrakesch mit prachtvollen Bauwerken, was ihm den Ehrennamen "ed-Dehbi" (= der Vergoldete) einbrachte. Auf Ahmed el-Mansur folgten schwache Saditensultane, die den zahlreich entstehenden Bruderschaften nicht gewachsen waren. Sie residierten teils in Marrakesch, teils in Fes. Alle Nachfolger Ahmeds endeten durch Mordanschläge. Um die Mitte des 17.Jahrhunderts herrschte in Marokko die Anarchie. In Rabat (Neu-Salé) bildete sich die Bou Regreg-Republik, eine unabhängige Korsarenrepublik, die den christlichen Staaten höchsten Respekt abforderte.

Alawiten (seit 1666)
Als stärkste Widerstandsbewegung gegen die Saditen kristallisierten sich um die Mitte des 17.Jahrhundert die im Tafilalet ansässigen Alawiten (auch Alaouiten, Aliden, Fileli oder Hassaniden genannt) heraus. Sie bezeichnen sich ebenfalls als Nachkommen des Propheten und führten ihre Ahnenreihe auf die Kalifen Ali und Hassan, den Sohn und den Enkel Mohammeds, zurück. Unter ihrem Scherif Moulay er-Raschid (1666 - 1672) eroberten die Alawiten 1666-1669 fast ganz Marokko. Raschids Bruder und Nachfolger auf dem Sultansthron Moulay Ismail (1672-1727) machte Marokko zu einem der mächtigsten Staaten seiner Zeit. Nur den Sonnenkiönig Ludwig XIV. von Frankreich (1643-1715) erkannte er als gleichberechtigten Herrscher an. Seine Hauptstadt Meknes, die vierte Königsstadt Marokkos, gestaltete er mit Hilfe von Christensklaven und Kriegsgefangenen zu einem "marokkanischen Versailles". Eine rigorose Steuerpolitik verschaffte ihm hierzu die finanziellen Mittel. Seine modern ausgerüstete und exzellent geschulte Garde von 16‘000 Negersoldaten marschierte unentwegt von Kasbah zu Kasbah, um die ausgebeuteten Berberstämme ruhig zu halten. 1684 vertrieb Moulay Ismail die Engländer aus Tanger, 1689 warf er die Spanier aus Mehdia und Larache.
Ismails Sohn Moulay Abdallah zeigte sich den Palastintrigen nicht gewachsen, doch seinem Enkel Mohammed ibn Abdallah (1757 - 1790) gelang es mit Hilfe einer neu aufgestellten Reitertruppe, die Ordnung im Reich wiederherzustellen. 1760 gründete Mohammed ibn Abdallah an Stelle des alten portugiesischen Stützpunktes Mogador die Hafenstadt Essaouira. 1767 schloss er mit Ludwig XV. einen Vertrag, der die Sicherheit der französischen Seeschiffahrt garantierte und den Handel mit Frankreich förderte. 1769 übernahm er Mazagdo (EI-Jadida), den letzten Stützpunkt Portugals an der marokkanischen Atlantikküste.
So fest gefügt das marokkanische Staatswesen unter Moulay Suleiman (Slimane; 1792 - 1822) auch war, so zeigte sich doch die immer stärkere Überlegenheit der europäischen Mächte im 19. Jahrhundert. Zwar gelang es dem Sultan, ihre Gelüste nach Kolonialbesitz durch eine geschickte Aussenpolitik eine Zeitlang zu verdrängen, doch Suleimans Nachfolger Moulay Abd er-Rahman (1822 - 1859) liess sich durch seine Unterstützung des algerischen Freiheitskämpfers Abd el-Kader in einen regelrechten Krieg mit Frankreich verwickeln. Der Frieden von Tanger (10. Sept. 1844) und die Konvention von Lalla-Marnia (18. März 1845) schwächten die Position Marokkos gegenüber den europäischen Mächten erheblich. 1856 schloss Grossbritannien mit dem Sultan einen Handelsvertrag. Im selben Jahr empfing marokkanisches Militär die vor der Rifküste kreuzende preussische Korvette "Danzig" unter Prinz Adalbert mit Gewehrfeuer. Eilige Verhandlungen verhinderten eine Eskalation dieses Vorfalls. - Politisches Ungeschick zeigte auch Mohammed II. (1859 - 1873), der sich 1859 zu einem Krieg mit Spanien provozieren liess, weil Rifkabylen die spanische Besitzung Ceuta angegriffen hatten. Die Spanier besetzten Tétouan, ihre Annexion Nordmarokkos scheiterte am Einspruch Grossbritanniens.
Mit fester Hand regierte noch einmal Abu Ali Hassan I. (1873 - 1894). Er beschwor die Berberstämme zusammenzuhalten, weil nur ein einiges Marokko die Okkupation durch fremde Staaten verhindern könne. Französische Militärexperten schulten und modernisierten das marokkanische Heer.
Unter Abd el-Aziz (1894 - 1908) traten die Unabhängigkeitsbestrebungen der Stämme wieder in den Vordergrund. Europäische Staaten begannen nach 1901, Nordafrika unter sich aufzuteilen: England erhielt freie Hand in Ägypten, Frankreich in Tunesien, Algerien und Marokko, Italien in Libyen; Frankreich und Spanien grenzten ihre Einflusssphären in Marokko ab. Am 31. März 1905 besuchte Kaiser Wilhelm ll. Tanger, um die Interessen deutscher Grossunternehmen in Marokko wahrzunehmen. Sein energisches Auftreten führte 1906 zur Konferenz von Algeciras, an der neben Frankreich und Spanien auch Deutschland, Osterreich-Ungarn, Grossbritannien, Portugal, Italien, Belgien, die Niederlande, Russland und die USA teilnahmen und eine Akte verabschiedeten, die die Unabhängigkeit und Unantastbarkeit Marokkos garantieren sollte. Doch von Frankreich provozierte Unruhen, antifranzösische Ausschreitungen und schliesslich die Ermordung mehrerer Franzosen gaben der französischen Regierung den Anlass, 1907 ein Expeditionskorps in Marokko zu landen, das Casablanca, Rabat, Safi, Essaouira und Agadir besetzte.
1908 riss Abd el-Haftz (1908 - 1912), ein Bruder des Sultans, die Staatsgewalt an sich und Iiess sich zum Sultan ausrufen. Anfang 1911 wurde er von aufgebrachten Berberstämmen in Fes eingeschlossen und rief die Franzosen zu Hilfe, die am 21. Mai 1911 in der "Heiligen Stadt des Maghreb" einmarschierten. Wiederum sah das Deutsche Reich seine wirtschaftlichen Interessen in Marokko gefährdet und entsandte das Kanonenboot "Panther", das im Juli 1911 demonstrativ vor Agadir erschien "Unternehmen Panthersprung". Schon zu dieser Zeit drohte der Ausbruch eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland, doch im Vertrag von Berlin (Marokko-Kongo-Abkommen vom 4. Nov. 1911) gab die deutsche Regierung nach: Gegen Gebietsentschädigungen in Äquatorialafrika (Vergrösserung der deutschen Kolonie Kamerun) gewährte sie Frankreich freie Hand in Marokko.

Kolonialzeit (1912 - 1956)
Mit der Konvention von Fes vom 30. März 1912 übernahm Frankreich die Schutzherrschaft über den grössten Teil Marokkos ("Le Maroc"). Am 27. Nov. 1912 trat Spanien sein Protektorat über Nordmarokko ("Marruecos Español") an. Hauptstadt des französischen Territoriums wurde Rabat, Hauptstadt des spanischen Landesteiles Tétouan. Ausserhalb dieser beiden Schutzgebiete stand die Internationale Zone Tanger. Sultan Moulay Jusuf (1912 - 1927) war formell Staatsoberhaupt von ganz Marokko, besass aber keinerlei Weisungsbefugnisse. Frankreichs Gouverneur Marschall Louis Hubert Lyautey (1912 - 1925) regierte mit eiserner Hand. Er siedelte französische Kolonisten und Industriebetriebe in Marokko an, förderte aber auch den Bau von Strassen, Wohnvierteln, Schulen und Krankenhäusern.
Noch viele Jahre wehrten sich die Berberstämme gegen die französisch-spanische Bevormundung. Schärfster Widersacher war seit 1921 der Rifkabyle Abd el-Krim (Abd al-Karim; 1880 - 1963), der die beiden Protektoratsmächte in Atem hielt. 1926 musste er vor der militärtechnischen Überlegenheit Frankreichs und Spaniens kapitulieren und wurde auf die Insel Réunion verbannt. 1947 floh Abd el-Krim nach Ägypten, wo er 1963 in hohem Alter starb. Noch heute wird er in Marokko, besonders im Rif, als Nationalheld verehrt. - Erst 1934 konnten die Franzosen die letzten freien Berberstämme im Hohen Atlas unterwerfen. Die "Befriedung" Marokkos forderte von Frankreich 27‘000 Menschenleben, die Marokkaner schätzen die Zahl ihrer Toten auf rund 400 000.
1927 bestieg Sidi Mohammed ibn Jusuf im Alter von 18 Jahren als Mohammed V (1927-1961) den Sultansthron. 1930 zwangen die Franzosen den Sultan, das sog. "Berber-Dekret" zu erlassen, um einen Keil zwischen die berberischen und arabischen Volksteile zu treiben. Danach sollten die örtlichen Berbergerichte mit ihrem uralten Gewohnheitsrecht wieder aufleben und die islamische Rechtsprechung auf die Araber beschränkt bleiben. Doch die Berber lehnten das Dekret als gläubige Muslime ab und gründeten gemeinsam mit den Arabern die Nationalisten-Partei und die Völkische Bewegung, die eine Beteiligung der Marokkaner an der Regierung forderten. Mohammed V. machte kein Hehl aus seiner Ablehnung der "Schutzmächte" und stellte sich offen auf die Seite der marokkanischen Unabhängigkeitspartei "Istiklal", die 1944 aus dem Zusammenschluss der Nationalisten-Partei und der Völkischen Bewegung hervorgegangen war. 1952 verhafteten die Franzosen die Führer der Istiklal, förderten 1953 eine Erhebung des Paschas von Marrakesch, El-Glaoui, gegen den Sultan, setzten Mohammed V. ab und schickten ihn in die Verbannung nach Madagaskar. Wachsende Unruhen gegen Frankreich und den neuen Sultan von Frankreichs Gnaden, Moulay Arafa, sowie internationale Proteste zwangen die Franzosen, Mohammed V. im November 1955 wieder in seine alten Rechte einzusetzen. In zähen Verhandlungen mit Frankreich und Spanien erreichten er und die Führer der Istiklal die Aufhebung der Protektoratsverträge. Am 2. März 1956 trat Frankreich, am 8. April 1956 Spanien als Schutzmacht zurück. Auch die Internationale Zone von Tanger kam zu Marokko, bis 1960 allerdings unter dem Sonderstatus eines internationalen Freihafens. Nur Ceuta und Melilla verblieben in spanischem Besitz. Marokko wurde ein unabädngiger Staat. Am 16. August 1957 nahm Mohammed V. den Königstitel an.

Das unabhängige Marokko (seit 1956)
Das Ansehen Mohammeds V. war bei allen Marokkanern so hoch, dass trotz erheblicher wirtschaftlicher und parteipolitischer Schwierigkeiten die Einheit Marokkos gewahrt blieb. Im Oktober 1958 trat Marokko der Arabischen Liga bei.
Nach dem Tode Mohammeds V. im Jahre 1961 bestieg sein ältester Sohn Moulay Hassan als König Hassan II. den Thron. Hassan galt als 35. direkter Nachfahre des Propheten Mohammed. Bis zum Inkrafttreten einer Verfassung im Jahre 1963 übte der König auch das Amt des Ministerpräsidenten aus. Die autokratische Regierung Hassans, der sich vor allem auf den Feudaladel stützt, führte zu einer wachsenden Opposition. Nach blutig niedergeschlagenen Studentenunruhen übernahm Hassan 1965 wiederum das Ministerpräsidentenamt und löste das seit 1963 bestehende Parlament auf. 1971 und 1972 entging er Attentaten marokkanischer Offiziere. 1972 folgten eine neue Verfassung und wiederum ein Umsturzversuch. 1973 wurden alle ausländischen Unternehmen enteignet, Franzosen und Spanier verliessen daraufhin das Land. Um die Existenz seiner Fischfangflotte zu sichern, dehnte Marokko die Hoheitszone der Küstengewässer von 12 auf 70 Meilen aus.
1975 zogen 350‘000 unbewaffnete Marokkaner auf einem Friedensmarsch ("Grüner Marsch") in Spanisch-Sahara ein, das Marokko seit Jahren beanspruchte und von dem sich Spanien nunmehr trennen wollte. Im Februar 1976 teilte Spanien das Territorium unter Marokko und Mauretanien auf Mit algerischer Unterstützung kämpfte die Befreiungsorganisation "Polisario" (Abkürzung für "Frente Popular para la Liberación de Saguia el-Hamra y Rio de Oro" = Volksfront für die Befreiung von Saguia el-Hamra und Rio de Oro) gegen die beiden Nachfolgestaaten, die das 266‘000 qkm grosse Land unter dem Namen "Westsahara" gemeinsam verwalteten, und rief die "Demokratische Arabische Republik Sahara" (DARS) aus. 1979 trat Mauretanien seine Zone an die DARS ab, woraufhin Marokko dieses Gebiet annektierte, sich aber seitdem in einem ständigen Kleinkrieg mit der Polisario befindet und aus der Organisation Afrikanischer Einheit (OAV) ausgeschlossen wurde. Die starke Truppenpräsenz und ein aufwendiges Radar-Kontrollsystern in den neuen Südprovinzen belastet Marokkos Staatshaushalt erheblich. Starke Preiserhöhungen bei den subventionierten Grundnahrungsmitteln führten 1981 und 1984 zu landesweiten Unruhen.
Im August 1984 schlossen Marokko und Libyen einen Vertrag über eine künftige "Staatenunion", einen panarabischen Staat gewissermassen, dem übrigens auch Ägypten, Syrien, Tunesien und der Tschad vertraglich verpflichtet sind. Trotz betonter Blockfreiheit lehnt sich Marokko immer stärker an die USA (Militärabkommen). Als sich König Hassan 1986 mit dem israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres traf, brach Syrien die diplomatischen Beziehungen zu Marokko ab, und Libyen löste den Unionsvertrag mit dem Königreich. Im Juli 1987 beantragte Marokko seine Aufnahme in die Europäische Gerneinschaft (EG). Vielfältige Verflechtungen haben Marokko zu diesem Schritt in Richtung Europa bewogen. Und ausserdern verstehe es sich als Mittler zwischen Europa, Afrika und der arabischen Welt. Eine Autostrasse über die Meerenge von Gibraltar (als Tunnel oder Brücke) soll das Symbol für Marokkos Verbundenheit zu Europa werden. Mit Spanien wurde bereits ein entsprechender Vertrag abgeschlossen, ein britisch-japanisches Firmenkonsortiurn erhielt den Auftrag für entsprechende Planungen.
Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt Marokko bei der Modernisierung der Landwirtschaft und der Verwaltung. König Hassan, der trotz Verfassung und Wahlen bis zu seinem Tode im Jahre 1999 immer alle politische und militärische Macht in seiner Person vereinigte, wollte den Verwaltungsapparat dezentralisieren und regionale Parlamente einsetzen, um die Interessen der einzelnen Stammesgruppen auf ihren unterschiedlich strukturierten Territorien stärker zu berücksichtigen.

 

SEINE MAJESTÄT KÖNIG HASSAN II

Seine Majestät, König Hassan II wurde am 9. Juli 1929 in Rabat, der Hauptstadt Marokkos geboren und starb am 23.Juli 1999 nach 38 jähriger Herrschaft über Marokko infolge einer Lungenentzündung an einem Herzanfall. Er war der 21. Monarch der Alawiten-Dynastie

Bereits seit seiner Kindheit wurde er von seinem Vater, Seiner Majestät König Mohammed V, auf die Verantwortung vorbereitet, die er später anzunehmen hatte. Er war die rechte Hand des Königs in Staatsangelegenheiten.

Zu diesem Zweck erhielt er eine moderne Ausbildung an einer Universität in Rabat in der er neben jungen Marokkanern studierte, die von allen Regionen und von allen Lebensbedingungen im Land gezeichnet wurden. Seine Majestät studiert arabische Sprache und Literatur, aber auch das normale Pensum einer modernen Schule. Zusätzlich wurde ihm eine persönliche Ausbildung zum Staatsmann von Seiner Majestät König Mohammed V gegeben.

Nach seinen brillanten  Studien an der Universität von Bordeaux in Frankreich, erreichte er das höhere Hochschuldiplom in den Gesetzeswissenschaften.

König Hassan II teilte mit seinem Vater auch das Exil. Zu einer Zeit als das französische Protektorat  die königliche Familie ab dem 20. August 1953 von der Insel Korsika und dann nach Madagaskar im Januar 1954 übertrug. Während dieses ganzes Zeitabschnitts war er der politische Berater seines Vaters.

Bei der Wiederherstellung der Unabhängigkeit spielte er die führende Rolle beim Aufbau der Armee von der er 1956 der Leiter des Stabes wurde.

Am 9.  Juli 1957 wurde er offiziell zum Kronprinz und zum Thronfolger Seiner Majestät König Mohammed V, und 1960, zum Regierungsoberhaupt ernannt.

Am 26.  Februar 1961 wurde er nach der Demission seines Vaters zum König von Marokko ernannt.

Unser geliebter König war auch Familienvater und widmete sich der Ausbildung seiner fünf Kinder besonders aufmerksam. Das älteste ist eine Tochter, Ihre Hoheit Prinzessin Lalla Meryem, die  am 21. August 1962 in Rom geboren wurde. Danach kommt der Kronprinz seine Hoheit  Sidi Mohammed, geboren am 21. August 1963 am königlichen Palast in Rabat. Dann Ihre Hoheit Prinzessin Lalla Asma, welche am 30. September 1965 in Rabat geboren ist. Das folgende Kind ist eine andere Tochter Ihre Hoheit Prinzessin Lalla   Hasana, die  am 21. November 1967 in Rabat  geboren ist und schliesslich gibt es noch Seine Hoheit Prinz Moulay Rachid, der auch in Rabat am 22 Juni 1970 geboren wurde.

 

SEINE MAJESTÄT KÖNIG   MOHAMMED VI.

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Nach dem Tod von König Hassan II am 23. Juli 1999 wurde der ehemalige Kronprinz Sidi Mohammed (geboren am 21. August 1963, 1994 zum Kronprinz ernannt) zum König Mohammed IV von Marokko und ist damit der 22. Monarch der Alawiten Dynastie.

 

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